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Die Neuverteilung
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Bei der Neuverteilung von Arbeit und Einkommen können nicht alle Besitzenden geschont werden. Kommt unerwartet, während die Großfamilie sich vor die Teller setzt, eine Schwester mit ihren zwei hungrigen Kindern zur Tür herein, was geschieht? Senkt man den Blick und isst weiter? Nein. Man rückt zusammen, stellt noch drei Teller hin und verteilt das Essen neu. Arbeiten ist mehr als nur Naschen. Zum Beispiel ist nicht einzusehen, dass der eine Lehrer nach sechs Unterrichtsstunden am Zusammenbrechen ist und die andere Lehrerin nie vor eine Klasse darf, dass die eine Ärztin zum Erschrecken ihrer letzten Patienten Dutzende von Stunden im Dauereinsatz sein muss, während ihrem Kollegen keine Stunden zu teil sind, dass der eine Ingenieur seine Kinder nicht mehr sieht und der andere an der Familie seine Wut auslässt. Die Bereitschaft des Volkes, vernünftige Maßnahmen mit zu tragen, ist groß.
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Wann wird man an den eckigen und runden Tischen oben auf die Weisheit der Stammtische unten achten? „Hast du gehört? Jetzt wollen sie mit scharfen Kontrollen die Krankenstände erschweren. Wer noch arbeitet, soll es auch mit Fieber müssen, die anderen dürfen gar nicht. Ist das nicht verrückt das Ganze?“ Dem Missstand ist deshalb so schwer beizukommen, weil die Verantwortung auf mehrere Systeme so verteilt ist, dass jedes den entscheidenden Hebel nicht im Griff hat, scheinbar nur die eigene Ohnmacht beklagen kann. Die Arbeitsproblematik gehört zu den Themen, die keines der Funktionssysteme, weder die Politik noch die Wirtschaft, weder die Religion noch das Erziehungswesen, weder die Wissenschaft noch das Recht, als eigene erkennen würde. [N. Luhmann in seinem Buch "Protest"]. Der Politiker vermutet wirtschaftliche Sachzwänge, der Manager (solange der Rahmen nicht umgestaltet ist) erfährt sie, die Regierungen haben den gesetzlichen Auftrag zum Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, die zu ihm nötigen Waffen jedoch nicht einmal im eigenen Hause, wo eine tüchtige Kraft bei wenig Arbeit im Personalhaushalt heimgeschickt und aus der Arbeitslosenkasse bezahlt wird. Sie zu fragen, ob sie fürs selbe Geld nicht lieber in Teilzeit arbeiten möchte, ist nicht erwünscht. Es geht doch anders: „Wenn die Vernunft aller Verantwortlichen, damit meine ich, die gemeinsame Mitte der Systeme kreativ eine sinnvolle Neuordnung unseres Zusammenarbeitens findet. Mag eine ähnlich ungeheure Aufgabe sein wie der Flug zu anderen Planeten, das haben wir jedenfalls geschafft. Auf den öffentlichen Dienst können die Gemeinwohl-Instanzen Parlament, Regierung und Gewerkschaften unmittelbar einwirken, deshalb soll hier das alle aufmunternde Signal zum Teilen bald gegeben werden. Mit einer Verringerung von Arbeitszeit und Bruttogehalt um fünf bis sieben Prozent mindestens für den höheren und gehobenen Dienst ließe sich schon ein guter Teil der Lehrer-, Juristen-, Ärzteschwemme absaugen. Zunächst ist das Freiwilligkeitspotential auszuschöpfen. Doch ist es den Dienern am Gemeinwohl zumutbar, sich solidarisches Teilen auch verordnen zu lassen. Auch wenn der in Überdruss lebende Knabe aufheult, muss er seinem Cousin trotzdem ein Stückchen von seiner Torte abgeben, hat es vermutlich hinterher sogar gern getan. Ein Arzt einer Klinik, der von neun Monaten voll mit schwierigsten Operationen gut leben könnte, warum sollte er mit sechs Urlaubswochen zufrieden sein? Warum nicht lieber, um der Gerechtigkeit und für den eigenen Seelenfrieden, einen Kollegen mit ans Messer lassen und selbst, wenn er wirklich seinen Beruf liebt, für Gotteslohn in der dritten Welt Dienst zu machen? Oder er stellt sich dem globalen Wettbewerb und arbeitet freiberuflich, ohne Planstelle, als Gastchirurg im Ausland oder einer Privatklinik. Mag er seinen Nutzen maximieren so gut er kann, das Volk will dasselbe. Und des Volkes Nutzen verlangt: Arbeit für alle. Darum soll der öffentliche Dienst nur die Trommel ins Ohr der öffentlichen Meinung sein. Wie wäre es mit einer Regierungs- und Pressekampagne, die alle Betriebsleiter und Personalverantwortlichen im Namen des Volkes aufruft, die Phantasie ihrer Hirne und die Schlauheit ihrer Programmierer in dieser Richtung anzustrengen, statt weiter stur den bequemen Weg zu gehen, obwohl er auf die Gemüter drückt, die Stimmung des Ganzen verschlechtert und viele der Mitarbeiter überfordert? Managern, die nicht nur gierig, sondern tüchtig sind, ist klar, wie wichtig für den Geschäftserfolg sozialer Friede und wohl verteilter Reichtum sind, „Autos kaufen keine Autos“ (Henry Ford). Solange die Verantwortlichen die Zügel nicht anziehen, ist für die Betroffenen lebenswichtig, dass sie sich an der Krankheit des Systems nicht ihr Selbstgefühl anstecken. „In dieser Gesellschaft definiert man sich durch Arbeit“ „Und ich, was bin ich?“ „Ein Nichts.“ Zum Glück ist das nur die Realität, nicht die Wirklichkeit. Wer als Schüler keine Lehrstelle findet, als Lehrling nicht übernommen, als Absolvent nicht eingestellt, als Fachkraft entlassen wird, sie oder er mache es nicht wie jener Unglückliche, der täglich mit seiner Aktentasche morgens fortgeht und abends wiederkommt, damit nur ja die Nachbarn nichts merken. Nein, bildet Euch weiter, weckt Tarifparteien, Politiker und andere Einflussreiche auf, sucht nützliche Aufgaben. Vor allem unterscheidet klar zwei Daseinsgrößen: „Wovon und wofür lebt man? Beides kann, muss aber nicht auf der gleichen Linie liegen. Bei Arbeitslosen stehen beide Größen aufeinander, haben miteinander aber nichts zu tun. Das ist schwerer zu leben als der Normalfall, aber nicht unmöglich. Und es hat seine Chance. Wo Menschen die Identität des bürgerlichen Gehäuses zerstört worden ist, da wissen sie besser als andere, was sie nicht sind, und haben Anlass, danach zu fragen, wozu sie da sind. Antworten finden sich in den Traditionen der Menschheit einige, „essen um arbeiten zu können und arbeiten um essen zu können.“ Diese Auskunft ist eine der schlechtesten die es gibt. Arbeitslosigkeit, das ist eine Leere. Unsere Gesellschaft darf niemanden dorthin verbannen! Wer aber in ihr aufwacht, sollte seine Aufgabe kennen. „Warten deine Freunde auf das, was du ihnen aus der Wüste mitbringen wirst?“
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