Arbeit und Werk - deutsche Begriffe

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1.1. Arbeit, f. […], ein uraltes, viel merkwürdige seiten darbietendes wort

Das Wort „Arbeit“ geht nach Aussage von Manfred Riedel4 auf das germanische arba (= Knecht) zurück. Das ist sicher richtig, lohnt aber auch eine genauere Betrachtung. Neuere etymologische Wörterbücher nehmen als Urwort ein untergegangenes germanisches Verb *arbejo5 an, mit der Bedeutung "bin verwaistes und daher aus Not zu harter Arbeit gezwungenes Kind". Damit stellen sie eine Verbindung her zum indo-europäischen6 *orbh- (= verwaist, Waise), auf das auch die deutschen Wörter Erbe und arm zurückzuführen sind. Ebenfalls aus dieser Wurzel stammt das lateinische orbus (= einer Sache oder Person beraubt), später in der Bedeutung „verwaist“ ersetzt durch orphanus. Eng verwandt sind die altslavischen Begriffe raba (= Knecht, Diener, Sklave) und rabota (= Knechtschaft, Sklaverei). So heisst Arbeit auf polnisch robota, und auch der moderne Roboter stammt aus dieser Wortfamilie.
Aus diesem angenommenen Verb entstand das germanische *ar_ejidiz/ arbejidiz (= Mühsal, Not) und daraus wiederum das althochdeutsche7 arbeit, arabeit, arebeit (nebst anderen Varianten), das in allen germanischen Dialekten Entsprechungen hat; so auch im altenglischen8 earfo_(e), das aber später durch die Begriffe work und labor ersetzt wurde.
Das althochdeutsche Wort bezeichnet „Mühsal, Plage, Leid, Erdulden“, ist also eindeutig negativ besetzt und bezeichnet vorwiegend etwas passiv Erlittenes. Der Aspekt der Passivität verliert sich im Laufe der weiteren Entwicklung des Wortes, aber Arbeit ist auch im Mittelhochdeutschen noch eine mühselige, unwürdige Tätigkeit, die nur von denjenigen verrichtet wird, die sich abmühen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese Wertung bleibt teilweise bis ins Neuhochdeutsche hinein bestehen; erst gegen Ende des Mittelalters und mit Luther verliert das Wort „Arbeit“ weitgehend seinen herabsetzenden Sinn und erhält eine positive Wertung.

1.2. Das Werk
An English-speaking person works, eine deutschsprachige Person arbeitet. Das altenglische ear_ode wurde in der mittelenglischen Periode durch weorc ersetzt, während im Deutschen sowohl Arbeit/arbeiten als auch Werk/wirken/werken noch gebräuchlich sind, wobei das erstgenannte Wortpaar weitaus häufiger verwendet wird und die Bedeutungen nicht identisch sind.
Ganz offensichtlich sind work und Werk eng miteinander verwandt: beide Formen sind zurückzuführen auf das indo-europäische *uerg- (oder erg-, urg-, worg- und werg-) mit der Bedeutung „tun, machen, handeln“. Auch das Griechische érgon (= Arbeit, Werk; daraus dann Energie, energy9) hat sich aus diesem Stamm entwickelt.
Das althochdeutsche werc(h), werah wird zum mittelhochdeutschen werc/werk. Laut Duden ist das Substantiv ursprünglich identisch mit Werg (= Flachs, Hanfabfall; eigentlich "das, was durch Arbeit abfällt"). Ausserdem wird eine Verwandtschaft mit Wurm vermutet. Eine mittelhochdeutsche Wortbildung ist das gewerke (= Handwerks- oder Zunftgenosse; Teilhaber an einem Bergwerk10), aus dem dann im 16. Jahrhundert die „Gewerkschaft“ entsteht; die heutige Bedeutung „Zusammenschluss von Arbeitern“ erhält das Wort aber erst 1868. Das westgermanische Verb wirken ist wahrscheinlich eine jüngere Ableitung aus dem Substantiv Werk, neben der älteren gemeingermanischen Form wurchen bzw. mittelhochdeutsch würken. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Ableitung wirklich, deren heutige Bedeutung erst seit dem 15. Jahrhundert nachgewiesen ist (spätmittelhochdeutsch wirkelich = tätig, wirksam, wirkend).


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